Gefährliche Arbeit
Während seiner Arbeit befand sich der Pulvermacher ständig in Gefahr. Vom Augenblick an, in dem die 3 Pulverzutaten Holzkohle, Salpeter und Schwefel, miteinander vermischt wurden, bestand eine latente Explosionsgefahr. Druck, Reibung und heftige Stöße bei der Verarbeitung konnten Explosionen auslösen, in den Trockenhäusern stellte übermäßige Hitze und Funkenflug eine große Gefahr dar. Die meisten Unglücke aber passierten durch Fahrlässigkeit, wenn in den Mühlen mit eisernen Werkzeugen oder Nägeln hantiert wurde.
Um Funkenbildung zu vermeiden war es den Arbeitern streng verboten, Messer und Schlüssel mit in die Fabrikationsräume zu nehmen oder diese mit genagelten Schuhen zu betreten.
In späteren Jahren wurden durch strenge Auflagen der Berufsgenossenschaft versucht, die Unglücke einzudämmen. Die Gebäude mußten mit Schutzwällen und Tannenanpflanzungen umgeben werden, um die Auswirkungen einer Explosion auf die Umgebung abzumindern. Auch mußten alle Walzen und Stampfen vor Inbetriebnahme mit Magneten auf evt. vorhandene funkenbildende Eisenteile überprüft werden.
Große Vorsicht war auch beim Transport des Pulver zu seinem Bestimmungsort geboten. In speziellen Pulverwagen wurden die Fässer transportiert. Eine schwarze Fahne oder Tafel mit einem weißem „P" warnte schon von weitem die Bevölkerung. In Ortschaften wurde das Pulvergefährt vom zuständigen Polizeidiener begleitet.
Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen ist die Zahl der Unglücke erschreckend groß. Umso achtenswerter ist die Treue der Pulvermacher, Fabrikanten und Fuhrleuten zu ihrem Beruf. Der Stolz überwog die Gefährlichkeit.
Die in dieser glorreichen Zeit entstandenen prunkvollen Villen in Ohl und Rönsahl zeugen immer noch vom damaligen Wohlstand .

In den 1880er Jahren begann in den Pulvermühlen von der Firma Cramer & Buchholz die Produktion von rauchschwachem Pulver, nachdem sich A. Nobel die Erfindung und Herstellung von rauchlosem, soge-nannten Würfelpulver patentieren ließ.
In dieser Zeit soll möglicherweise von der Firma Cramer & Buchholz der Anstoß für die Gewehr-plättchenfabrikation ausgegangen sein.
Schon 1889 wurden die Fabriken von Cramer & Buchholz in die mächtige und Europas größte pulverprodu-zierende Gesellschaft „Vereinigte Köln - Rottweiler Pulverfabriken AG" eingegliedert. Das damals für das Kartell so wichtige

Militärpulver wurde bei Cramer & Buchholz aber nur in dessen Zweigbetrieb in Rübeland im Harz hergestellt.
Unterdessen versuchten sich die von L. Heuser geleiteten „Rönsahler Pulverfabriken AG" mit der Herstellung von prismatischem Pulver. Sie übernahmen sich aber an kostspieligen Versuchen und gingen 1890 in Liquidation.
Glücklicherweise kaufte das Bankhaus Voswinkel zu Hagen diese Pulvermühlen auf und begann schon bald wieder mit der Fabrikation. Schon 2 Jahre später beschäftigte die neue Firma „Rönsahler Pulverfabriken Gebr. Voswinkel" wieder 50 Arbeiter. Das Ende kam schon 1895 mit dem Konkurs des Bankhauses.

Diese nun wieder stillgelegten Pulvermühlen und deren Grundstücke wurden von der Fa. Cramer & Buchholz übernommen, die wiederum das Gelände nach Abbruch der Gebäude gewinn-bringend an die Talsperren-genossenschaft verkaufte.
Wirth schreibt: „Im Jahre 1898 versank der Ort Ballenbrügge, wo Georg Wolter vor fast 300 Jahren die erste Pulvermühle angelegt hatte, in den Fluten der Lingesetalsperre".
Nach und nach forderte der Verdrängungsprozess des neuen Stoffes Dynamit dem Schwarzpulver Tribut. Dynamit ließ sich weitgehend weniger gefahrvoll herstellen und auch zu transporieren.
Ein schwerer Rückschlag war das Verbot der Verwendung von Schwarzpulver in den Kohle-bergwerken.
Seit 1900 durften dort nur noch Dynamit oder spezielle Sicherheits-sprengstoffe eingesetzt werden.
Diese Entwicklung erkannten auch die Inhaber der Pulverfariken Cramer & Buchholz. So kam es zum Bau der Rönsahler Dynamitfabrik in Gogarten.
Diese wurde in die neugegründete „Rheinisch-Westfälische Sprengstoff AG", Köln eingegliedert, in der Eugen Buchholz Mitglied im Aufsichtsrat wurde.
Jedoch wurde die Rönsahler Dynamitfabrik nach nur wenigen Jahren wieder stillgelegt, wahrscheinlich wegen des un-günstigen Standortes. Heute kann man die Wallanlagen der Fabrik-anlagen im Wald oberhalb des ehemaligen Märchenwaldes in Gogarten noch finden.
Im militärischen Bereich lösten die rauchlosen Pulver, Schießbaumwolle und Nitroglyzerin das Schwarzpulver ab. Daher verlagerte sich die Produktion der Fa. Cramer & und Buchholz wie schon erwähnt, mehr und mehr nach Rübeland im Harz, denn in Rönsahl waren für die Herstellung von Militärpulver keine Produktionseinrichtungen vor-handen.
Schließlich wurde 1912 der Geschäftssitz nach Hannover verlegt.
In dieser Zeit mussten weitere Mühlen der neugebauten Kerspe-Talsperre weichen.
Nach dem ersten Weltkrieg mussten die Inhaber Buchholz ihre Firma Cramer & Buchholz, Hannover an die Köln-Rottweil AG in Berlin verkaufen. Die noch verbliebenen Pulvermühlen wurden nach und nach stillgelegt, bzw. anderen Funktionen zugeführt. Im Jahre 1923 waren nur noch 10 Pulvermacher beschäftigt. Sie bewohnten Werkswohnungen in Ohl, Krommenohl, Neuenhammer und Kerspe. 1930 wurde die letzte Pulvermühle geschlossen.