Neue Zeiten in alter Brennerei

Bericht aus dem Mühlenecho von 2008


Zu Beginn dieses Jahres kaufte der Rönsahler Ortsvorsteher Horst Becker die alte Brennerei in

Rönsahls Ortsmitte von dem bisherigen Eigentümer, der Peter Fr. Krugmann GmbH & Co. in

Meinerzhagen.

Peter Krugmann, der Firmeninhaber der Krugmann GmbH & Co. freute sich, in Horst Becker einen

Käufer gefunden zu haben, dem der Erhalt des historischen Gebäudes und dessen weitere Nutzung

zum Wohle der Dorfgemeinschaft am Herzen liegt.

Zur Geschichte der Brennerei

Das Schnapsbrennen wurde irgendwann im Mittelalter erfunden. Als Heilmittel für allerlei

Wehwehchen kam das hochprozentige Getränk zu großem Ansehen.

Während der preussischen Herrschaft entwickelte sich die Schnapsbrennerei zu einem bedeutendem

Wirtschaftszweig. In den fruchtbaren Böden des Nordens gedieh der Grundstoff zum Brennen, das

Getreide. 23000 Brennereien waren in Preußen registriert (zum Vergleich: heute gibt es bundesweit

noch ca. 500 Brennereibetriebe). Und der Staat hatte gelernt, sich durch kassieren der

Branntweinsteuer kräftig zu bereichern.

Die Kornbrennerei war eng an die Landwirtschaft angegliedert. Oft als Nebenerwerb betrieb der

Bauer die Brennerei, um Ernteüberschüsse zu verwerten und um mit der Schlempe, den Resten des

Kornbrennens, ein hochwertiges, gehaltvolles, eiweißhaltiges Kraftfutter fürs Vieh zu erzeugen.

So war es auch ein Landwirt, der 1870 das stattliche Brennereigebäude errichten ließ. Wilhelm

Haase begründete damit die Rönsahler Brennereitradition. Die Haase-Brennerei mit dem

angegliederten landwirtschaftlichen Hof blieb über 100 Jahre in Familienbesitz. Das gesamte

Ensemble mit dem herrschaftlichen Wohnhaus, den schönen Stallgebäuden in Backstein- und

Bruchsteinbauweise und das stattliche Brennereigebäude mit den schönen Fensterrundbögen und

Giebelverzierungen zeugen von dem damaligen Wohlstand.

Die Brennerei Krugmann in Meinerzhagen kaufte im Jahre 1962 Landwirtschafts- und

Fabrikgebäude der Familie Haase. Eine Verlagerung des Brennereibetriebes war nötig geworden,

weil das Kornbrennen in Meinerzhagen aus Platzmangel und das Werk mitten in der Stadt lag, hier

nicht mehr möglich war.

Von nun an wurde in Rönsahl der Feinbrand hergestellt und in Meinerzhagen weiter verarbeitet,

verfeinert, gemischt und abgefüllt.

Als dann im Jahre 2001 das Branntweinmonopol fiel, dazu die Verbrauchergewohnheiten mehr und

mehr zu niedrigprozentigen Likören tendierten, war ein Ende der Branntweinproduktion in Rönsahl

abzusehen. So wurde 2002 zum letzten Mal in Rönsahl gebrannt. Die damals hergestellte Menge

wird noch ausreichen bis 2009. Zukünftig wird der Feinbrand aus einem Brennereibetrieb in

Norddeutschland bezogen, der nach den strengen Qualitätsvorgaben von Krugmann produziert.

Der Vorgang des Branntweinbrennens

Das Verfahren der Destillation ist seit dem 15. Jahrhundert bekannt.

Im Dämpfer wird Getreide mit Wasser aufgekocht und unter Dampfdruck gegart. Dann wird Malz

zugesetzt, dadurch wandelt sich die Stärke in Zucker um. Im Gärtank wird mit Hilfe von Hefe der

Getreidebrei vergoren. Hierbei bildet sich in wenigen Wochen ein Alkoholgehalt von ca. 7 %.

Bei der ersten Destillation, dem Rohbrand, wird der Alkohol von der Maische getrennt. Zurück

bleibt die Schlempe.

Die zweite Destillation, der Feinbrand, dient zur Reinigung und Konzentration des Alkohols. Das

fertige Produkt ist 98%iger Alkohol. Dieser kann nun weiterverarbeitet werden.

Durch Zusetzen von gutem Brunnenwasser wird der Feinbrand auf Trinkstärke verdünnt. An

Qualität und Geschmack gewinnt der Feinbrand durch Lagerung in Eichenfässern.

Große Pläne für ein großartiges Gebäude

Fleißig gearbeitet wird bereits in und um dem historischen Gebäude. Horst Becker will nicht nur

das denkmalgeschützte Haus mit seinem markanten achteckigen Backsteinschornstein, sondern

auch große Teile des historischen Inventars erhalten.

Zunächst werden alle neuzeitlichen, unschönen technischen Anlagen abmontiert und entfernt. Die

eigentliche historische Brennereieinrichtung mit den Destillationsanlagen, Maischekessel und

Gärtank soll weitgehend erhalten und für die Öffentlichkeit zugänglich bleiben. Dazu könnten

Führungen mit Brennmeister Hendrik Peveling angeboten werden.

Die Destillationshalle soll neben ihrer musealen Funktion auch eine Räumlichkeit der Begegnung

werden. Der Gärkeller wäre z. B. für Konzerte gut geeignet, so Horst Becker.

Am Aufgang zum Obergeschoss befinden sich zwei rustikale Räume, die als Heimatstube und

Pulvermuseum eingerichtet werden sollen. Die Heimatfreunde Helmut Bremecker und Norbert

Klein wollen hier aktiv werden und für die Gestaltung und Einrichtung sorgen.

Der Getreideboden im Obergeschoss soll als Veranstaltungssaal ausgebaut werden, die räumlichen

Begebenheiten bieten hier die Möglichkeit zur Errichtung einer Bühne. Große Feste, tolle Events

und rustikale Feiern könnten hier in einigen Monaten stattfinden. Dabei sieht Horst Becker dies

aber als zusätzliches Angebot und will auf keinen Fall in Konkurrenz zu den im Dorf bestehenden

Veranstaltungsräumen treten.

Im Anbau könnte ein Blockheizkraftwerk betrieben werden, dessen Wärme nicht nur die Brennerei

heizen könnte.

Horst Becker hält es auch für möglich, im Kesselhaus eine Braustube einzurichten, um dort Ökobier

für den Direktverzehr und -vermarktung herzustellen.

Bei allen Maßnahmen muß den Vorgaben der Denkmalschutzbehörde entsprochen werden. Nun

muß man erst einmal abwarten, welche Bedingungen von dort gefordert werden. Dann kann der

Ortsvorsteher Fördergelder beantragen. Für die Finanzierung der Bautätigkeiten und zur Sicherung

des laufenden Unterhalts soll ein Trägerverein, evt. auch eine GmbH gegründet und die Brennerei

einer Stiftung zugeführt werden.

Regina Marcus, im Februar 2008